19. August 2021: Heute geht’s los. In den letzten Nächten habe ich jeweils nur 3-5 Stunden geschlafen, aber das ist so bei uns in der Familie, gerade mütterlicherseits.
Ich komme einigermaßen pünktlich mittags los und fühle, dass ich eigentlich alles habe und mich auch mental bereit fühle. Meine erste Tour führt mich nach Leipzig, wo Freunde eine Outdoor Party unter Corona Bedingungen organisiert haben. Die Nacht verbringe ich in einem Industriegebiet am Rande Leipzigs auf einem Wohnmobilstellplatz.
20. August 2021: Zusammen mit einem Kumpel aus Halle stehe ich direkt am Völkerschlachtdenkmal und feiere mit wunderbaren Menschen ein ausschweifendes Fest als Beginn meiner großen Reise.

Noch vor Sonnenaufgang, für mich sehr untypisch, falle ich todmüde ins Bett. Die Strapazen der letzten Tage zollen ihren Tribut.
21. August 2021: Die Party ist erst am nächsten Tag gegen 12:30 Uhr beendet, wobei einer der Teilnehmenden feststellt, dass die Leute langsam alt werden…

Zusammen mit meinem Kumpel Muff frühstücke ich noch vor unseren beiden Mobilen und entscheide mich dann loszufahren Richtung Süden. Diese spontane Entscheidungen weiterzufahren oder zu bleiben werden mich noch weiter auf der Reise begleiten und meistens täuscht mich meine Intuition nicht.
Mein nächster Stopp ist Bayreuth, wo ich auf dem Parkplatz einer Therme unterkomme. Die nette Dame am Empfang gibt mir sogar noch eine Dreiviertelstunde, um zu duschen. Auf dem Parkplatz baue ich meinen Tisch mit Lampen und Kerzen auf und esse Abendbrot.


22. August 2021: Weiterfahrt nach München. Zwischendurch regnet es in Strömen.
Ich gerate in einen fiesen Stau, denn in einer einspurigen Baustelle ist ein Kollege mit seinem Wohnmobil liegen geblieben – Platten. Nichts geht mehr!

In München angekommen parke ich in der Nähe des Schrebergartens von Julia und Nicken, er ist ein alter Kumpel aus Bremen und inzwischen verheiratet mit einer Bayerin. Unser erster Weg führt uns natürlich in ein Wirtshaus, um eine zünftige Mahlzeit einzunehmen.

Danach brauche ich erst mal ein Nickerchen und treffe mich hinterher mit den beiden in ihrer Wohnung. Bei ein paar Fläschchen Prosecco und Wein erörtern wir die Weltlage.
23. August 2021: Der Schrebergarten liegt am Rande eines Stadtteils mit hohen Bürotürmen, als ich aufbreche, sehe ich die Arbeitssklaven auf dem Weg in ihre Büros. Ich kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Frühstück beim Bäcker in Garching. Die Frau am Nebentisch telefoniert relativ laut, was mich anfangs stört. Als sie geht, lächelt sie mich an und wünscht mir einen guten Appetit. Tolle Menschen hier!

Am Rande Münchens, in einem Industriegebiet, nehme ich einen Tramper auf. Addi aus Ungarn, der aber lange in Österreich gelebt hat und gut Deutsch spricht. Um einen Stau zu umfahren, nehmen wir die Landstraße und kehren in einem zünftigen Wirtshaus ein, wo ich ihn zum Mittagessen einlade.

Karma-Punkte sammeln wird zu einem Hobby auf der Reise, und ja, es stimmt, das Karma kommt dann wieder, oft wenn man es gerade sehr nötig hat… Kurz vor der Grenze lasse ich ihn wieder raus, meine Route passt ihm nicht auf dem Weg nach Budapest und außerdem habe ich etwas Bedenken wegen des zulässigen Gesamtgewichts.

Jetzt muss ich mir noch eine Mautbox fürs Wohnmobil besorgen, da meine geliebte Laika inzwischen über 3,5 t wiegt. Mit dem Fahrzeugschein sollte das eigentlich kein Problem sein, der nette Mensch an der Tankstelle braucht trotzdem ein bisschen. Die Verfahren in den europäischen Ländern zur „Bemautung“ von Fahrzeugen über 3,5 t sind recht divers. Laut Internet eint alle unterschiedlichen Regelungen, dass sie kompliziert sind.

In Österreich ist meine erste Anlaufstation der Ossiacher See, wo ein Freund meiner Eltern, Curt, eine nette Residenz direkt am Wasser besitzt. Mein Wohnmobil parke ich auf dem Parkplatz eines Tennisplatzes, Curt meint es wird schon keiner was sagen. Und so ist es auch. Grundsätzlich ist das „wild stehen“ in fast allen Ländern Europas verboten, aber mit ein bisschen Gefühl und vernünftigem Verhalten geht es schon hier und da. Hauptsächlich bezieht sich diese Regelung meines Erachtens auf natürliche Umgebungen.

Beim Campingplatz nebenan schnorre ich mir eine Dusche. Und abends schnacke ich mit Curt ein paar Stunden bei leckerem Wein und Snacks über Gott und die Welt. Es stellt sich raus, dass er auch Berufsschullehrer war und es entwickelt sich ein interessanter Austausch nicht nur über den Job.
24. August 2021: Am nächsten Morgen schenkt er mir sogar zum Abschied das Buch „Die Vermessung der Welt“. Er bringt mich noch zum Wohnmobil und winkt zum Abschied während ich hupe.
Weiter geht’s nach Slowenien. Hinter der Grenze kaufe ich die nächste Mautbox, das dauert hier 2 Minuten, die Frau an der Tankstelle ist versiert. Ich steuere einen Campingplatz in der Nähe von Bled an. Zum Glück entscheide ich mich nicht für einen der großen und fancy Campingplätze am See, sondern für einen kleinen Natur Campingplatz an einem Bergfluss. Hier kann ich ein paar Tage entspannen nach täglichen Fahrten. Die Nachbarn sind nett und es stellt sich so richtig das Urlaubsfeeling ein.


25. August 2021: Am nächsten Tag wandere ich in den Ort Radovljica oberhalb des Campingplatzes. Das ist ein malerisches kleines Städtchen mit einer wunderschönen Altstadt, die ich um ein Haar verpasst hätte.









Auch die weiteren Städte auf meiner Reise haben meistens eine neue, moderne Innenstadt und eine, zum Teil etwas entfernt liegende Altstadt. Ich besorge mir als erstes eine einheimische Simkarte, denn mein Datenvolumen neigt sich dem Ende zu. Die Tourist-Simkarten der Balkanländer sind wirklich empfehlenswert, aber dazu später…
Mittags gönne ich mir ein luxuriöses Essen in einem top Restaurant in der Altstadt mit einem wahnsinnigen Ausblick.



Danach wird weiter die Altstadt inklusive der Kirche besichtigt, Kirchen, gerade die orthodoxen, werde ich mir im Verlauf der Reise immer wieder angucken. Obwohl ich es nicht so mit der Religion habe, sind diese Bauwerke wirklich beeindruckend!




Die Stimmung im Örtchen ist ausgelassen, Kinder toben auf dem Dorfplatz in der Altstadt, die Sonne senkt sich langsam und die Temperatur wird erträglicher. Ich wandere zurück zum Campingplatz.
Da meine Nachbarn abgereist sind, kann ich meine Laika quer zum Fluss stellen, also mit Blick auf den Fluss- perfekt, wie ich es liebe…🥰
Jetzt wird relaxt, Sonnenbaden, Abendbrot mit Tagesschau und danach die Dokumentation „Das Leben der Bäume“, welche mir eine Freundin schon vor längerem empfohlen hatte.
26.8.2021: Heute wird nur entspannt. Lesen, schreiben, baden, schlafen, abends bestelle ich mir Pizza über die Dame an der Rezeption.
Danach packe ich zusammen, denn nachts regnet es. Es macht schon Sinn aufs Wetter zu achten, nasse Sachen einzupacken ist blöd!
27.8.2021: Trotz des Regens, oder gerade wegen diesem, konnte ich gut und lange schlafen. Sowieso werde ich im Verlauf der Reise glücklicherweise feststellen, dass ich in der Laika sehr gut (am besten) schlafe und ein guter Schlaf ist ja, wie schon erwähnt, nicht selbstverständlich für mich.
Auf dem Weg nach Ljubljana wollte ich mir eigentlich unter anderem die Vintgar-Klamm angucken.
https://goo.gl/maps/RdnLUsHDGLF5s9Yc8
Die Serpentinen dorthin waren schon etwas nervig, und als mir die Dame am Parkplatz zehn Euro Gebühren plus einen zweistündigen Fußmarsch in Aussicht stellt, drehe ich postwendend um.
Kurz vor der Hauptstadt mache ich noch halt bei einem Campingausstatter und besorge mir Auffahrkeile zum Ausgleich von Unebenheiten auf den Stellplätzen. Es gibt Millionen von Gimmicks für Camper und Wohnmobile, viele sind eigentlich Quatsch, vor allem wenn man nicht weiß, wie lange man das Wohnmobil behalten wird.
Abends fahre ich in die Stadt, weil ich die Info über eine Party auf einem ehemaligen Fabrikgelände bekommen habe. Es stellt sich raus, dass es sich um ein vorwiegend von alternativen Menschen genutztes Gelände handelt, mit vielen Graffitis und Street Art – genau mein Ding! Es gibt verschiedene Areale, mit unterschiedlicher Musik. Ein lokaler Rapper tritt mit Cellist:innen und Geiger:innen auf, es läuft Dubstep, und in einer Ecke findet eine Gay Party anlässlich des Christopher-Street-Days am nächsten Tag statt.










Super cool! Auf der Party lerne ich zwei schwule Pärchen aus Düsseldorf kennen, mit denen ich hinterher in ihrer Luxus-Airbnb-Wohnung noch ein bisschen nachfeiere und die Weltlage ausdiskutiere…
28.8.2021: Dicker Schädel. Kater im Alter sind nicht zu unterschätzen. Nachmittags raffe ich mich auf und mache mit dem Fahrrad eine Stadtrundfahrt. Ljubljana ist absolut empfehlenswert! Wunderschön und unheimlich divers.
Besonders hervorzuheben sind die Altstadt und die Bibliothek.














https://goo.gl/maps/iy3pa5Dd7zXxh94g8
Allerdings habe ich zum ersten Mal irgendwann das Gefühl, dass mein Kopf die ganzen Eindrücke nicht mehr aufnehmen und verarbeiten kann, so entscheide ich mich, mich abends vor dem Fernseher berieseln zu lassen.
29.8.2021: Am nächsten Tag gehe ich noch ins Museum für moderne Kunst, besuche eine weitere orthodoxe Kirche und mache mich dann auf den Weg nach Kroatien.







































