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Sebi's große Tour...

Prolog

Mein Sabbatjahr habe ich im Jahr 2015 angemeldet. Einige meiner Kolleg:innen haben mir das sehr ans Herz gelegt, weil sie selbst damit gute Erfahrungen gemacht haben. Ob und was du dann in ein paar Jahren damit machst, wird sich noch zeigen, haben sie gesagt. Für das Schuljahr 2020/21 hatte ich es ursprünglich angemeldet. Grob hatte ich geplant ein halbes Jahr Südamerika und ein halbes Jahr Asien zu bereisen. Spanisch hatte ich schon angefangen zu lernen und von einer Kollegin hatte ich erfahren, dass es in Costa Rica eine Sprachschule gebe, in deren Umfeld man auch in einer Gastfamilie wohnen kann, um so wirklich schnell in die Sprache einzutauchen. Von dort aus wollte ich nach Südamerika reisen, am liebsten bis Patagonien… Zum Jahreswechsel wollte ich nach Süd Ost Asien reisen, angeblich soll dann die Regenzeit in den meisten Gebieten vorbei sein. 

Diese Planungen wurden durch Corona hinfällig. Den Antrag auf Verschiebung habe ich um Ostern 2020 gestellt und ihm wurde dann zunächst mündlich und schließlich auch irgendwann schriftlich stattgegeben, hauptsächlich wahrscheinlich weil ein großer Personalmangel an unserer Schule herrschte und herrscht. 

Die Enttäuschung war natürlich groß, aber ich wollte auf keinen Fall durch pandemiebedingt geschlossene Länder im Ausnahmezustand reisen und mich undurchschaubaren Gefahren aussetzen.

In den Sommerferien 2020 habe ich dann ein Wohnmobil gemietet. Das hatte ich immer schon mal vor, um zu testen, ob das was für mich ist. Meine Tour führte mich durch Schleswig-Holstein an die Ostsee, von dort nach Mecklenburg-Vorpommern bis Usedom und auf der polnischen Seite runter nach Stettin, über Brandenburg,  mecklenburgische Seenplatte zurück nach Bremen. Eine wahnsinnig schöne Tour! Der Groschen war gefallen. Glamping mit einem Wohnmobil ist mein Ding. Fast den gesamten Hausstand dabei, eine kleine Wohnung auf vier Rädern und dazu diese Freiheit hin zu fahren, wo man will, zu stehen, wo es einem gefällt – einfach nur wahnsinnig schön. Das Reisen mit einem Wohnmobil bedeutet allerdings auch ein ständiges Lernen im Umgang mit dem Fahrzeug und den Abläufen, wobei die Lernkurve steil ist und man täglich besser wird.

Polen 2020

Wer mich kennt, weiß, wenn ich erst mal Lunte gerochen habe, bekommt man mich von einer Idee nur schwer weg. Ein Wohnmobil musste her. Idealerweise noch vor den Herbstferien, damit es gleich auf eine erste Tour, am liebsten zum Lago Maggiore, gehen konnte. Gesagt getan, das Internet wurde durchstöbert. Leider waren die Preise aufgrund von Corona exorbitant und das Angebot sagen wir mal überschaubar. Etwas über 1000 km bin ich durch Deutschland gefahren und habe mir Fahrzeuge in meiner Preisklasse angeguckt. Kurz vor der Aufgabe, sah ich dann ein Angebot bei Hamburg, alles so wie ich es mir vorgestellt hatte und sogar vom Händler, was mir wichtig war wegen der Garantie. Nachdem ich sie mir angeguckt hatte, wurde sie einen Tag später gekauft – meine Laika. Es blieb circa eine Woche für Anmeldung und Abreise. Die meisten Menschen in meinem Umfeld inklusive dem verkaufenden Händler glaubten nicht daran, dass ich es rechtzeitig schaffe. Termine bei der Zulassungsstelle wurden in 4-6 Wochen vergeben und die Papiere lagen angeblich noch bei der Bank. Was soll ich sagen, der Dickschädel hat sich durchgesetzt. Die Tour nach Italien war wunderschön und meine neue große Liebe und ich lernten uns langsam kennen und lieben. 

Lago Maggiore 2020

Für den Winter fand ich eine adäquate Unterkunft, beheizt, trocken und mit Stromversorgung. In den Osterferien fuhren wir zusammen nach Schleswig-Holstein, weil das so einigermaßen möglich war in diesen schwierigen Corona-Zeiten.

Zu Beginn der Sommerferien 2021 ging es für ein paar Tage nach Worpswede, auf einen Campingplatz an der Hamme auf dem Mama, Philip und ich wohl schon vor circa 35 Jahren mit einem kleinen Igluzelt waren. Das war total schön und entspannend, bevor eine stressige Phase mit Abreisevorbereitungen begann.

Hammehafen Worpswede, 2021

Leider musste ich feststellen, dass Laika etwas Übergewicht, beziehungsweise ein zu hohes Leergewicht hatte. Befürchtungen gab es schon vorher, aber die Waage eines Baustoffhändlersgab Gewissheit. Im Ausland drohen schon bei leichten Übertretung des zulässigen Gesamtgewichtshohe Strafen im vierstelligen Euro-Bereich, die zum Teil per Cash zu begleichen sind, oder das Fahrzeug wird beschlagnahmt. Es führte also kein Weg an einer Auflastung vorbei. Diese Challenge also. Nach einigen Telefonaten war mir klar, wie der Hase läuft, eine recht kompetente Mitarbeiterin einer Wohnmobilwerkstatt teilte mir mit, dass unter vier Wochen dieser Umbau nicht zu bewerkstelligen wäre. Alleine das Gutachten der Firma Goldschmitt braucht circa zwei Wochen und dann musste man noch einen Termin für den Umbau finden. Ich schrieb eine bettelnde Mail an einen Werkstattmeister aus Hamburg und er antwortete mir überraschend sofort, dass, wenn ich bis 13:00 Uhr den Umbau in Auftrag geben würde, das Gutachten heute noch per Express rausgehen würde und der Umbau dann in der kommenden Woche stattfinden könnte. Zum ersten Mal seit langem hatte ich Tränen in den Augen. Obwohl rund um den Kauf und die ersten Touren mit Laika, einiges an Schicksal mich begleitet hatte, war dieses Glück außerhalb meiner Vorstellungskraft. Ein Tag vor der Abfahrt zur großen Tour wurde also eine zusätzliche Luftfederung eingebaut, damit konnte das zulässige Gesamtgewicht Von 3,5 auf 3,85 t erhöht werden. Der Fahrkomfort wurde damit auch deutlich verbessert, man kann sie jetzt von circa 0,5 bar bis zu circa 7 bar hoch und runterfahren und bisherige Wankbewegungen bleiben nun aus.

Laika @ Schweizer Straße/ Viertel, Bremen 🥰

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